Projektstatus: Idea Release In use

FairElection

FairElection unterstützt politische Organisationen bei der Auswahl von Kandidierenden anhand von selbst festgelegten Repräsentationskriterien. Die breite Öffentlichkeit kann die Ergebnisse einer vergangenen Wahl simulieren, indem sie dieselben Diversitätskriterien anpasst.

#Runde 1 

In wenigen Worten

Das Projekt „FairElection“ entwickelt ein Partizipationsinstrument für die Schweizer Politik . Das Instrument besteht aus zwei Teilen, die den beiden Zielgruppen entsprechen.

  • Für die breite Öffentlichkeit bietet „FairElection“ ein Instrument der politischen Simulation. Durch die Integration vorhandener Daten vergangener eidgenössischer und kantonaler Wahlen erlaubt das Instrument allen mit Repräsentationskriterien (z.B. Alter, Geschlecht, …) zu „experimentieren“. Es kann visualisiert werden, wie die gewählten Organe aussehen würden, wenn andere Kriterien berücksichtigt worden wären. 
  • Für politische Parteien und Organisationen bietet „FairElection“ ein Instrument und eine Methode, um einen Prozess für interne Wahlen („Vorwahlen“) zu entwickeln. Innerhalb der Partei soll das Instrument ermöglichen, dass eine Diskussion über die gewünschte Vertretung geführt wird. Die Mitglieder, die Sympathisantinnen und Sympathisanten und/oder die breite Öffentlichkeit können so ihre Repräsentationskriterien wählen, um diese dann für interne Wahlen zu verwenden.

Das Problem, das wir lösen wollen

Im Anschluss an die Wahlen erkennt sich ein Teil der Bevölkerung in den Profilen der Gewählten nicht wieder. Dieser Eindruck der fehlenden Repräsentation hat ein zerstörerisches Potenzial für die Demokratie, da er das Vertrauen, welches für das Funktionieren einer Demokratie notwendig sind, in Frage stellt. Die Parteien tragen in dieser Situation eine grosse Verantwortung. Eine wichtige Rolle spielen  die unzureichend repräsentativen Listen von Kandidatinnen und Kandidaten sowie die teilweise komplexen Nominierungsprozessen innerhalb der Parteien.

Auf allen Ebenen begünstigen diese Verzerrungen der Repräsentation weiterhin bestimmte Personengruppen (namentlich hinsichtlich des Geschlechts, des Alters oder der sozioprofessionellen Hintergrunds). Die Kandidatinnen und Kandidaten haben innerhalb der Partei bei der Zusammenstellung der Listen wie auch bei der eigentlichen Wahl bei weitem nicht die gleichen Chancen. Die Frage der gerechten Repräsentation eines gewählten Organs – der Legislativen aber auch der Exekutiven – sollte im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte stehen: Welche Repräsentation wollen wir als Bürgerinnen und Bürger?

Unsere Idee im Detail

Für politische Parteien und Organisationen soll das Instrument „FairElection“ als Methode zur Begleitung interner Wahlen und zur Erstellung von Listen von Kandidatinnen und Kandidaten dienen. Die Methode arbeitet in zwei Schritten. Zunächst können Mitglieder, Sympathisantinnen und Sympathisanten und/oder die Öffentlichkeit ihre Repräsentationskriterien wählen. Welche Kriterien soll  die Liste erfüllen? Parität, Generationenvertretung, Wohnort, Bildungsniveau? Zur Auswahl dieser Repräsentationskriterien wird eine erste Abstimmung organisiert. Danach werden die gewählten Kriterien bei einer internen Wahl angewandt. Die Wählenden wählen  ihre Kandidatinnen und Kandidaten. Die Wahlfreiheit der Wählenden ist nicht eingeschränkt. Sie müssen die perfekte Liste, die ihre Kriterien erfüllen würde, nicht selbst erstellen – es ist der „FairElection“-Algorithmus, der sodann garantiert, dass die in der ersten Abstimmung gewählten Kriterien auf das Wahlergebnis angewendet werden. Die Gruppe der Gewählten wird die Repräsentationskriterien erfüllen und gleichzeitig wirddie demokratische Wahl der Mitglieder berücksichtigt. Der Algorithmus bietet eine mathematische Garantie, dass die Gruppe der Gewinnerinnen und Gewinner diejenige ist, die unter Einhaltung der Kriterien die meisten Stimmen erhält.

Diese Methode wurde in Zusammenarbeit mit der EPFL für die Vorwahl der Bewegung „Appel Citoyen“ 2018 im Wallis entwickelt. Dieser Ansatz war Gegenstand mehrerer wissenschaftlicher Beiträge, die seinen Charakter als technologische Neuheit mit hohem Disruptionspotenzial unterstreichen. Dieses kurze Video beschreibt das Vorgehen.

Das Instrument ist eine Antwort auf folgende Herausforderungen:

  • Es bietet den Parteien ein Instrument, um Transparenz und demokratische Entscheidungen im Auswahlverfahren von Kandidatinnen und Kandidaten anzustreben. Die Diskussion über Repräsentationskriterien unterscheidet sich von der nominalen Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten, was eine qualitativ hochwertige Beteiligung ermöglicht.
  • Es bietet den Parteimitgliedern, und allgemeiner den Sympathisantinnen und Sympathisanten sowie der Öffentlichkeit (wenn die Partei ihre Vorwahlen „öffnet“), die Möglichkeit, eine gerechtere Repräsentation zu wählen und die gewünschten Kriterien festzulegen. Die Diskussion über Repräsentation wird zu einer öffentlichen Diskussion und trägt dadurch dazu bei, die Legitimität von Wahlen zu stärken.
  • Indem es die Umsetzung von Entscheidungen hinsichtlich der Repräsentation ermöglicht, trägt das Instrument zu mehr Chancengleichheit in der Politik bei. Für Kandidatinnen und Kandidaten aus unterrepräsentierten gesellschaftlichen Gruppen erhöhen sich die Chance nominiert zu werden.

Für die breite Öffentlichkeit beinhaltet „FairElection“ zudem ein Instrument zur politischen Simulation. Durch die Integration vorhandener Daten vergangener eidgenössischen und kantonalen Wahlen (und so weit wie möglich aus Gemeindewahlen) ermöglicht es jeder und jedem, mit bestimmten Kriterien zu „spielen“, um sich vorzustellen zu können, wie die Legislative und die Exekutive aussehen würden, wenn andere Kriterien berücksichtigt worden wären. So könnten die Bürgerinnen und Bürger beispielsweise für die eidgenössischen Wahlen 2019 eine politische Simulation durchführen und sich fragen, wer gewählt worden wäre, wenn ein Kriterium der Geschlechterparität oder ein Kriterium bezüglich des Alters in Kraft gewesen wäre. Das Instrument „FairElection“ zeigt dann die Zusammensetzung dieses fiktiven Parlaments. Die Bürgerinnen und Bürger können so die Wirkung eines Kriteriums auf der Grundlage realer Daten sofort darstellen.

Dieses zweite Instrument ist eine  Antwort auf zwei oben genannte Herausforderungen:

  • Das Gefühl des Ausgeliefertseins nimmt ab. Dank der politischen Simulationen – zum Beispiel eines „alternativen“ Bundesparlaments – wird der breiten Öffentlichkeit bewusst, dass eine alternative Repräsentation möglich ist.
  • Die Diskussion über die Distanz zwischen der Bevölkerung und den Kandidatinnen und Kandidaten wird objektiver. Sie ermöglicht es, hervorzuheben, welche Teile der Bevölkerung im Wahlprozess nicht vertreten sind.

Team

Das Projektteam setzt sich aus folgenden Personen zusammen: